Archiv für den Monat: August 2006

° was ich hier eigentlich mache

Also wenn ich nicht gerade wandern, Beeren sammeln (mein neustes Abenteuer) oder in der Sauna bin, dann arbeite ich in einem Museum.

Da ich mir dachte, dass ich nicht so einfach für sieben Wochen nach Island fahren kann ohne einen Grund, – zumindest einen anderen als die pure Lust am Verreisen – habe ich an zahlreichen isländischen Museen angefragt, ob sie nicht vielleicht eine Praktikantin gebrauchen könnten. Mit einem Kunstgeschichtsstudium könnte es ja theoretisch passieren, dass ich an einer solchen Einrichtung lande und dann wäre es ja nett, wenn ich schon mal in die dortige Arbeit reingeschaut hätte. Naja, was man sich eben so denkt, beim deutschen Praktikumswahn und auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung auf Island. Gefunden! Ein kleines Museum wollte gerne meine Dienste in Anspruch nehmen und bot mir dafür auch eine Unterkunft an – mehr als man in Deutschland erwarten könnte. Also ab nach Island!
Da ich nun im besagten Museum seit gut zwei Wochen arbeite, kann ich einige Dinge mit Bestimmtheit festhalten:

1. Dieses Praktikum bringt mir wohl wenig bis gar nichts für mein Studium. Es werden zwar gerade ein Jubiläum und neue Räumlichkeiten vorbereitet, aber mein Anteil daran besteht bisher aus streichen, räumen und streichen. Wobei anzumerken ist, dass alle (!) Mitarbeiter gerade mit solchen Tätigkeiten beschäftigt sind.

2. Das macht gar nichts! Vom theoretischem Arbeiten hatte ich eh etwas die Nase voll und streichen macht Spaß! Jetzt bin ich mir sicher, dass ich wieder Lust auf mein Studium habe, wenn ich zurück gekommen bin.

3. Arbeiten mit Isländern ist ausgesprochen aufschlussreich: Sie erzählen in einem fort und man lernt sehr viel über anderer Leute Arbeit und Alltag – und das ist ja das eigentlich Spannende in einem fremden Land!

4. Isländer sind stolz auf ihre Insel und sind jederzeit bereit viel darüber mitzuteilen und zu zeigen. Dafür kann man dann auch mal eben einen halben Tag frei machen und mit der Praktikantin wandern gehen!

Alles in allem sieht es also so aus, als ob mein Praktikum ein voller Erfolg wird!

° Randnotiz II

Ich habe mir heute dann doch eine Mütze gekauft – Handschuhe kommen diese Woche auch noch dazu. Als Erläuterung: Gestern gab es heftigen Regen und Wind, heute strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. Bei diesem Durcheinander kann der Schnee eigentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich bin dann jedenfalls gerüstet.

° Randnotiz I

Bereits nach zwei Wochen ohne fleischliche Nahrung kann ich klar feststellen: Vegetarier werde ich nicht!

Meine momentanen Heißhungerfavoriten: Bouletten, gebratener Speck, gekochter Schinken und Ungarische Salami. Dazu einer von Bernds Kumpels wäre großartig.

Dann esse ich jetzt mal eine Scheibe Knäckebrot mit Käse…

° Die Sauna und der Schlüssel

Also seit geraumer Zeit kann ich mir durchaus vorstellen, dass hier tatsächlich um die 750 Menschen wohnen. Es gibt eindeutig mehr Straßen als auf den ersten Blick zu sehen und auch eine Schwimmhalle mit Sauna und Hot Pots – dort bin ich gewesen.

Zu den hiesigen Saunagewohnheiten gehört es, dass Mann und Frau in Schwimmbekleidung schwitzen. Dumm nur, dass ich das Schild erst nach dem ersten Saunagang gesehen habe. Naja, war alleine – hat sich niemand beschwert. Also geschwitzt und dann bekleidet. Nächste Schwierigkeit: Wo ist kaltes Wasser? Offensichtlich mögen Isländer kein kaltes Wasser – haben ja auch genügend warmes und ausreichend kalte Temperaturen draußen. Jedenfalls gibt es in der gesamten Schwimmhalle keine einzige kalte Dusche. Ein kaltes Becken natürlich auch nicht. Also in Badebekleidung rumsitzen und hoffen, dass man in den gut geheizten Räumen abkühlt. Die Hot Pots (37°C) helfen da auch nicht, entspannen aber. Mehr als zwei Saunagänge schafft man so nicht.

Wieder an meiner Unterkunft angekommen: Tür zu, kein Schlüssel. Sonntag, sehr peinlich. Viele Telefonate, nette Leute, kein Schlüssel. Dann kam Petur mit zwei Blechbüchsen und etwa 100 Schlüsseln vorbei. Keiner passte. Schade eigentlich. Der Kuhfuß musste her, der Spalt zwischen Tür und Rahmen wurde etwas geweitet. Dann konnte der Schlüssel durch ein flaches Stück Metall ersetzt werden. Die Tür ging auf. Danke!

Am nächsten Tag wurden mir gleich drei Dinge erklärt:
1. Isländer kennen keine gemischte Sauna und finden die Vorstellung, dass Männlein und Weiblein zusammen unbekleidet in einem Raum sitzen auch etwas eigenwillig.
2. Als kaltes Becken wird das Schwimmbecken benutzt. Wazu kalte Duschen?
3. Ich war nicht die erste, die das Problem mit dem Schlüssel hatte.

Na dann ist ja gut…

° Wochenabrechnung

Die erste Woche auf Island ist ins Land gegangen und mein Geld auch… Größter Posten sind bisher die Lebensmittel: 15.500 ISK (aktueller Wechselkurs).

Hier sind einige Beispiele zum Preisvergleich:

Wasa Knäckebrot (250g) – 129 ISK
Kartoffeln (2,5kg) – 420 ISK
Vollkornreis (340g) – 197 ISK
Spagetti (1kg) – 139 ISK
Haferflocken (1kg) – 129 ISK
Tunfischsalat (200g) – 259 ISK
Käse (370g) – 349 ISK
Gouda (500g) – 479 ISK
Eier (12st) – 199 ISK
Butter (400g) – 225 ISK
Schwarzer Tee (20 Beutel) – 219 ISK
Früchtetee (20 Beutel) – 249 ISK
Tomaten (1kg) – 248 ISK
Äpfel (1kg) – 179 ISK
Zwiebeln (1kg) – 78 ISK
Schellfisch tiefgefroren (800g) – 799 ISK
Salamie (ca. 150g) – ca. 400 ISK

Aus preislichem Anlass habe ich mich dazu entschlossen, Wurst und Fleisch in den kommenden Wochen nicht zu kaufen. Fisch passt eh viel besser und ist auch eindeutig erschwinglicher. Außerdem gibt es spannende Dinge zu probieren, so zum Beispiel getrockneten Fisch als Knabberei. Liegt schon bereit, muss nur noch geöffnet werden…
Alles in allem ist das Essen also wie erwartet: Fisch in allen Variationen, Brot nur als Knäckebrot sättigend und Fleisch unerschwinglich.

Was die Preise von alkoholischen Getränken angeht, so bin ich noch zu keinem Ergebnis gekommen. Bei den Bierpreisen vergesse ich immer zu gucken und für stärkere Getränke müsste ich in einen anderen Laden. Späte vielleicht, wenn mir von dem ganzen Fisch mal schlecht geworden ist.

Also ein schönes und nicht ganz preiswertes Land. Aber wer könnte schon behaupten, er hätte es nicht gewusst…

– Noch Fragen?

Dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

Entweder man fragt Dilemma 5000Wieso selbst entscheiden, wenn es andere für dich tun können? – eine großartig sinnfreie Seite, auf der man seine Frage plus zwei Antwortmöglichkeiten (JA vs. NEIN) loswerden kann. Die Entscheidung wird einem dann von vielen hilfsbereiten Menschen abgenommen. Selbst hilfsbereit zu sein, macht besonders viel Spaß.

dropping knowledge ist weniger lustig und weniger sinnfrei. Das Projekt sammelt (ernsthafte) Fragen aller Art, die diskutiert – vor allem aber, in Auswahl, einer Runde von tatsächlich prominenten Personen vorgelegt werden sollen. Das ganze ist als große öffentliche Veranstaltung für den 09. September in Berlin geplant.
Was daraus tatsächlich wird, bleibt anzuwarten. Die eingereichten Fragen, die man auf der Seite nachlesen und bewerten kann, sind mäßig spannend. Auch scheint die Organisation des geplanten Events noch auf keinen sehr festen Füßen zu stehen. Trotzdem lohnt es sich vielleicht, die (wenig ansprechend gestaltete) Website im Auge zu behalten. Womöglich kommt doch etwas Bemerkenswertes bei dem ganzen heraus.

[ Telepolis-Artikel zu ‚dropping knowledge‘ ]

° Wanderung gemacht

Meine untrainierten Beine gaben mir heute Nacht deutlich zu verstehen, dass eine Wanderung über neun Stunden Wirkung zeigt. Hier die harten Fakten:

Strecke:

Vom Ort Seyðisfjörður am Nordufer des Fjordes entlang, dann nach Westen in das Tal Vestadalur, immer am Fluss Vestalsá entlang bis zum Hochgebirgssee Vestalsvatn, dann nach Süden in das Tal Stafdalur, anschließend weiter Richtung Osten – ab jetzt auf einer Straße – zurück nach Seyðisfjörður.

Kilometer: ca. 28 (die Karte ist nicht wirklich genau)
Zeit: 9 Stunden
ausgeschriebene Schwierigskeitsstufe: leicht

Wichtige Ereignisse/ Erkenntnisse:

– in 7,5 Stunden zwei Person getroffen (die Straße ausgenommen)
– 2X bis zu den Knöcheln im Morast gesteckt
– 2X bis zu den Knöcheln in Wasser gestanden
– 1X abgerutscht und auf dem Hosenboden gelandet
– ca. 10X gedacht: „Hier kann kein Weg sein.“
– ständig nach den Wegmarkierungen Ausschau gehalten und dabei festgestellt, dass gelbe Farbe auf grünen Wiesen und Geröllfeldern ausgesprochen schlecht zu sehen ist
– regelmäßig den Kompass kontaktiert
– streng von Schafen und Vögeln beobachtet worden (Trollspäher?)
– gelernt, welche Moossorten auf Grund ihres Wassergehaltes zu umlaufen sind und welche ohne Probleme durchschritten werden können
– unzählige Wasserläufe durchquert

Fazit

1. War toll!!!
2. Ich brauche eine bessere Karte.