{"id":93,"date":"2005-11-25T17:38:16","date_gmt":"2005-11-25T16:38:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kornecke.de\/blog\/?p=93"},"modified":"2005-12-06T09:23:37","modified_gmt":"2005-12-06T08:23:37","slug":"propaganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kornecke.de\/blog\/?p=93","title":{"rendered":"&#8211; Propaganda"},"content":{"rendered":"<p>Wozu geisteswissenschaftliche Mail-Verteiler gut sind? F\u00fcr antikapitalistische Propaganda. So heute geschehen.<br \/>\nIch bin zwar kein besonderer Freund von Propaganda und <del datetime=\"2005-12-06T08:21:54+00:00\">bin mir auch nicht sicher, ob diese wom\u00f6glich einen wahren Kern enth\u00e4lt<\/del> es ist sicher, dass die Geschichte <i>keinen<\/i> wahren Kern enth\u00e4lt (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.tu-berlin.de\/www\/software\/showtxt.shtml?muellermilch\">hier<\/a>) &#8211; aber es ist sehr liebevoll geschrieben, und so darf ich pr\u00e4sentieren die&#8230;<\/p>\n<p><center>Kleine Geschichte \u00fcber Herrn M\u00fcller<\/center><\/p>\n<p>Das hier, das ist der Herr M\u00fcller. Der Herr M\u00fcller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im S\u00fcden. Der Herr M\u00fcller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn M\u00fcller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart. Der Herr M\u00fcller stellt n\u00e4mlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die K\u00fche die Milch her, aber der Herr M\u00fcller verpackt sie sch\u00f6n und sorgt daf\u00fcr, da\u00df sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen k\u00f6nnt. Die Sachen, die der Herr M\u00fcller herstellt sind so gut, da\u00df sogar der Herr Bohlen daf\u00fcr Werbung gemacht hat. <\/p>\n<p>Weil der Herr M\u00fcller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten. Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber der Herr M\u00fcller hat sie trotzdem gebaut. Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitspl\u00e4tze haben, unterst\u00fctzt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitspl\u00e4tze hat man n\u00e4mlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. <\/p>\n<p>Also hat der Herr M\u00fcller einen Antrag ausgef\u00fcllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt. Ein paar Tage sp\u00e4ter haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europ\u00e4ischen Union in Br\u00fcssel einen Scheck \u00fcber 70 Millionen Euro geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt. Der Herr M\u00fcller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr M\u00fcller. <\/p>\n<p>Nachdem die neue Fabrik von Herrn M\u00fcller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, da\u00df er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewu\u00dft, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europ\u00e4ischen Union haben das gewu\u00dft, es ist n\u00e4mlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so. <\/p>\n<p>Also was hat er gemacht, der Herr M\u00fcller? In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr M\u00fcller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr M\u00fcller sie gekauft. Weil er jetzt die sch\u00f6ne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr M\u00fcller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren. Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, da\u00df der Herr M\u00fcller 17 Arbeitspl\u00e4tze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat. Daf\u00fcr hat er 70 Millionen Euro bekommen. Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, daf\u00fcr k\u00f6nnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wi\u00dft ihr, da\u00df der Herr M\u00fcller f\u00fcr jeden vernichteten Arbeitsplatz \u00fcber 4 Millionen Euro bekommen hat. <\/p>\n<p>Da lacht er, der Herr M\u00fcller. Nat\u00fcrlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erz\u00e4hlt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr M\u00fcller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch daf\u00fcr, da\u00df es ihm besser geht. Er ist n\u00e4mlich sparsam, der Herr M\u00fcller. <\/p>\n<p>Sicher kennt ihr die Becher, in denen fr\u00fcher die Milch von Herrn M\u00fcller verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr M\u00fcller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschlie\u00dfen kann und sehen h\u00fcbsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr M\u00fcller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.<\/p>\n<p>Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr M\u00fcller nicht einfach an den n\u00e4chsten Baum geh\u00e4ngt werden, dann mu\u00df ich euch sagen, da\u00df man so etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das n\u00e4chste mal im Supermarkt seid, dann la\u00dft doch einfach die Sachen vom Herrn M\u00fcller im Regal stehen und kauft die Sachen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger [&#8230;hier endet die Mail. Schade eigentlich.]<\/p>\n<p><small>Der Text ist bei mir als Forward eines Forward eines Forward eines&#8230; naja, jedenfalls am Ende \u00fcber eine Mailinglist angekommen. Wenn jemand wei\u00df, wer originaler Urheber ist und ob der mit der hiesigen Ver\u00f6ffentlichung einverstanden ist oder nicht, m\u00f6ge er bitte Bescheid geben.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wozu geisteswissenschaftliche Mail-Verteiler gut sind? F\u00fcr antikapitalistische Propaganda. So heute geschehen. 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