{"id":1237,"date":"2010-01-25T08:10:51","date_gmt":"2010-01-25T08:10:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kornecke.de\/blog\/?p=1237"},"modified":"2010-02-21T11:56:46","modified_gmt":"2010-02-21T11:56:46","slug":"kornecke-an-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kornecke.de\/blog\/?p=1237","title":{"rendered":"&#8211; kornecke an ZEIT"},"content":{"rendered":"<p>Ggf erst lesen: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/03\/01-Google\"><em>Im Google-Wahn<\/em><\/a><\/p>\n<blockquote><p>Betreff:<br \/>\nBzgl &#8222;Im Google-Wahn&#8220;, Ausgabe Nr 3<br \/>\nVon:<br \/>\nJan Koernicke <kornecke@gmx.net><br \/>\nDatum:<br \/>\nSun, 17 Jan 2010 16:13:00 +0100<br \/>\nAn:<br \/>\nleserbriefe@zeit.de, widerspruch@zeit.de<\/p>\n<p>Guten Tag,<\/p>\n<p>unten stehend ein (vermutlich zu langer) Text in Reaktion auf Frau Gaschkes Artikel &#8222;Im Google-Wahn&#8220;. Der Artikel ist weniger Grund als vielmehr Anlass zu diesem Schreiben. Schon in der Vergangenheit war der Tenor von ZEIT-Artikeln zum Thema Internet\/ Informationsgesellschaft im allgemeinen und zum Thema &#8218;Google&#8216; im speziellen meiner Wahrnehmnung nach eher polemisch als informiert. Mit etwas technischem Verst\u00e4ndnis bieten die Artikel in der sonst \u00fcberaus lesenswerten Zeitung immer wieder Grund zum Kopfsch\u00fctteln. Im allgemeinen also die Bitte um Artikel mit etwas mehr technischem Hintergrund (bei Autoren und gern auch im Text) und im speziellen die folgenden Zeilen zum konkreten Artikel.<br \/>\n(Ob Sie diese als Leserbrief oder Widerspruch komplett oder gek\u00fcrzt abdrucken, ist Ihnen \u00fcberlassen. Schon allein das Lesen und zur Kenntnis Nehmen durch die zust\u00e4ndigen Personen w\u00e4re hoch willkommen.)<\/p>\n<p>Schon im dritten Satz von Frau Gaschkes Artikel werden Intention und Selbstverst\u00e4ndnis des Textes klar: \u201e \u2026 ein paar Verbotsschilder f\u00fcr kinderpornographische Internetseiten, als sei dies kriegsentscheidend\u201c. Der zu Recht viel diskutierte Gesetzesentwurf zur potentiellen &#8218;Sperrung&#8216; von Webseiten ist also im &#8218;Krieg&#8216; gegen Google ein stumpfes Schwert?<br \/>\nUnd so geht es weiter im Artikel, das Credo: Google ist b\u00f6se und der Staat muss uns davor besch\u00fctzen. Beides ist Unsinn. Richtig ist: Google sammelt frei verf\u00fcgbare Informationen sowie alle Informationen, die wir \u2013 die Nutzer \u2013 freiwillig geben. Richtig ist aber auch, dass jeder selbst bestimmen kann, welche Daten er Google preisgeben will und welche nicht. Ohne pers\u00f6nliche Registrierung (bspw. f\u00fcr Google Mail) kann Google keine Informationen \u00fcber pers\u00f6nliche Suchanfragen sammeln; mit einer solchen Registrierung l\u00e4sst sich diese Sammlung einfach deaktivieren. Jeder Betreiber einer Webseite kann selbst bestimmen ob seine Inhalte von Google durchsucht und indiziert werden sollen oder nicht; bei Facebook und Co kann das jeder Nutzer. Cookies, welche Webservern eine Wiedererkennung eines Besuchers erm\u00f6glichen, lassen sich in jedem Browser komplett oder gezielt deaktivieren. Die Aussage \u201eKeine zwei Nutzer erhalten f\u00fcr denselben Suchbegriff die gleichen Antworten\u201c ist einfach falsch und generiert auf der Titelseite einer seri\u00f6sen Wochenzeitung nur unberechtigte \u00c4ngste.<br \/>\nZum anderen: Wenn Google versucht, m\u00f6glichst viel \u00fcber den Nutzer zu erfahren, so geschieht das ganz einfach um ihm bessere Ergebnisse liefern zu k\u00f6nnen. Google will die besten Ergebnisse liefern um besser Werbung verkaufen zu k\u00f6nnen. Nutzer wollen die besten Ergebnisse f\u00fcr ihre Suche bekommen. Dass die Suchergebnisse besser sind, umso mehr Informationen \u00fcber die Anfrage verf\u00fcgbar sind \u2013 ist das ein Wunder?<br \/>\nGern werden in der Diskussion auch das &#8218;Google Handy&#8216; oder Chrome, Googles Browser, erw\u00e4hnt. Auch hier hei\u00dft es gern, dass beide sehr viele Daten an die &#8218;Krake&#8216; liefern w\u00fcrden und man deren Nutzung m\u00f6glichst vermeiden soll. Tatsache ist, dass im Falle von Chrome der Quellcode komplett und im Falle von Android, dem Betriebssystem f\u00fcr Mobilger\u00e4te, der gr\u00f6\u00dfte Teil des Quellcodes offen verf\u00fcgbar ist. Jeder, der will und kann, kann sich anschauen, was Googles Software tut. Das ist bei den Konkurrenten im Browser- oder Mobilger\u00e4temarkt nicht der Fall. Alle datenschutztechnisch relevanten Optionen lassen sich in Googles Software unkompliziert deaktivieren; Chrome ist gar der einzige Browser der den Nutzer bei der Installation fragt, welche Suchmaschine er gern verwenden w\u00fcrde.<br \/>\nDer andere Torheit in Gaschkes Artikel ist die Forderung nach einem staatlichen Schutz vor Google. Dabei wird nicht erw\u00e4hnt, dass in Deutschland die automatische Identifikation von Passanten in der \u00d6ffentlichkeit nicht von Google sondern vom BKA am Bahnhof Mainz zuerst getestet wurde. \u201eWas hei\u00dft noch &#8218;Privatheit&#8216;, wenn keine Bewegung im \u00f6ffentlichen Raum mehr inkognito ist?\u201c Diese Frage geht wohl weniger an Google als an eben diesen Staat, der ganze Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze \u00fcberwachen l\u00e4sst. Und warum ausgerechnet Google um Erlaubnis bitten sollte, an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen Fotos zu machen, wo dies sonst fast jedem, inklusive und insbesondere der Presse gestattet ist, erschlie\u00dft sich auch nicht.<br \/>\nRichtig ist: Google will m\u00f6glichst viele Informationen sammeln und will m\u00f6glichst viele dieser Informationen frei verf\u00fcgbar machen. Darauf beruht das Gesch\u00e4ftsmodell des Unternehmens. Und daran ist erstmal nichts Verwerfliches. Das Google dabei transparenter vorgeht als die meisten anderen Unternehmen und dem Nutzer alle Wahlm\u00f6glichkeiten l\u00e4sst, sollte allerdings ebenso erw\u00e4hnt werden. Tats\u00e4chlich sind weder die Titelseite noch das Feuilleton der richtige Ort f\u00fcr einen solchen Artikel \u2013 vielmehr sollte der Wissens-Teil der ZEIT die Aufgabe \u00fcbernehmen, zu erkl\u00e4ren wie die Nutzer mit den neuen Diensten umgehen k\u00f6nnen und sollten. Am Ende wird weder die Politik noch die Kultur entscheiden wie die neuen Techniken unser Leben beeinflussen; wir werden es selbst entscheiden m\u00fcssen \u2013 und dazu wird das n\u00f6tige Wissen ben\u00f6tigt. Im Grunde Bedarf es im \u00dcbergang zum Informationszeitalter einer neuen Aufkl\u00e4rung, im besten Sinne eines \u201eAusgangs des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unm\u00fcndigkeit\u201c.<\/p>\n<p> Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Jan Koernicke<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ggf erst lesen: Im Google-Wahn Betreff: Bzgl &#8222;Im Google-Wahn&#8220;, Ausgabe Nr 3 Von: Jan Koernicke Datum: Sun, 17 Jan 2010 16:13:00 +0100 An: leserbriefe@zeit.de, widerspruch@zeit.de Guten Tag, unten stehend ein (vermutlich zu langer) Text in Reaktion auf Frau Gaschkes Artikel &#8222;Im Google-Wahn&#8220;. Der Artikel ist weniger Grund als vielmehr Anlass zu diesem Schreiben. 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