Archiv für den Monat: März 2007

50 Jahre Europa

Am Wochenende fanden die Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge statt. Obwohl die Europäische Union bei weitem nicht als nur positiv empfunden wird. Oder gerade deswegen – schließlich bietet ein solches Volksfest wie das vorm Brandenburger Tor die Möglichkeit zur oft vermissten Bürgernähe beizutragen. Den Menschen können hier auf einfache Art und Weise zahlreiche der Vorteile der EU näher gebracht werden. Denn in den Köpfen der Leute stecken viele Unklarheiten, Halbwissen und Vorurteile über die EU.

Ein sehr treffenden Beispiel hierfür ist (so gesendet am Sonntag bei Sabine Christiansen) ein Berliner Bauunternehmer, der seine Befürchtungen über die drohende Invasion polnischer Arbeitskräfte kund tat. So würde Deutschland ab 2009, wenn die Sonderregelung zur Einschränkung der Freizügigkeit der EU-Arbeitnehmer endet, von billigen polnischen Bauarbeitern überflutet. Unberücksichtigt bleibt bei dieser vereinfachten Darstellung jedoch, dass für Arbeitskräfte anderer EU-Länder, die in Deutschland arbeiten, die gleichen Bedingungen herrschen, wie für einheimische Arbeitnehmer. D.h. es gelten auch für Osteuropäer die sozialen Mindeststandards (Kündigungsfristen, Mindestlohn) z.B. der deutschen Baubranche. Hingegen ist das Problem der illegalen Beschäftigung meist ausländischer Arbeiter auf z.B. deutschen Baustellen ein Problem unabhängig von der EU. Schwarzarbeit zu verhindern liegt also in der Verantwortung der jeweilen Nationalstaaten!

Wenn solche Verantwortlichkeiten klar getrennt betrachtet würden, wäre auch das Bild der EU positiver. Allerdings sind die deutschen (Landes-!) Politiker nicht ganz unschuldig an diesen Verwirrungen.

– Petitionen selber und mitmachen

petition Wieder mal die Frage: Ist es eher lustig oder sinnvoll? Beim Petitionsausschuss des Bundestag kann man (seit 2005) offizielle Onlinepetitionen einreichen und mitzeichnen.

Eine Liste aller Petitionen kann man hier anschauen. Einiges ist eher putzig, anderes zumindest nachdenkenswert und manches kann man mit guten grund mitzeichen, etwa das hier.

Wie sinnvoll die ganze Sache ist? Zumindest werden die Petitionen (hoffentlich) von den Mitgliedern des Ausschusses, also von MdBs, gelesen und zur Kenntniss genommen. Und wenn sich mehr als 60000 Mitzeichner für ein Thema finden, dann ist das auf jeden Fall schon mal mehr als eine diffuse Einzelmeinung…

– Carnegiea in groß

kaktus Wir haben einen echten Carnegiea Gigantea in groß gesehen, im
Frankfurter Palmengarten – den man an der Stelle besser ‚Kaktusgarten‘ hätten nennen sollen.

Jedenfalls haben wir den einarmigen Banditen gebeten, sich daneben zu stellen. Sieht man mal wie groß das Ding ist. (Klick auf das Bild macht auch das Bild groß.)

Unsere eigenen Carnegieas sind während des Winters nicht wesentlich gewachsen. Hoffe aber, dass sie Ende des Jahres die Größe ihres Artgenossen auf dem Photo (nein, nicht der Bandit) erreicht haben.

– Problemkino: Afrika

afrika Hotel Ruanda, Der ewige Gärtner, Blood Diamond, Der letzte König von Schottland … Afrika scheint gerade groß in Mode in Hollywood, in Kürze kommt dann wohl Darfur – Der Film.

Was unterscheidet einen guten ‚Afrika-Thriller‘ wie Der letzte König von Schottland von einem schlechten wie Blood Diamond? Ein Thriller braucht zuerst mal eine spannende Geschichte und als zweites spannende Charaktere. Ein Thriller darf nicht platt, klischeeüberladen und offensichtlich sein. Ein Thriller darf es dem Zuschauer nicht leicht machen. Ein Thriller sollte nach Möglichkeit kein happy end, und wenn schon, dann wenigstens nur ein kurzes haben. Ein Thriller sollte sich auf seine Geschichte konzentrieren. Ein Thriller sollte weder seine Zuschauer noch seine Darsteller für dumm verkaufen.

Blood Diamond macht fast gar nichts richtig, Der letzte König von Schottland immerhin das meiste. Es ist zwar löblich, wenn man nicht ’nur‘ einen spannenden (Polit-?) Thriller machen, sondern auch ein bisschen Botschaft vermitteln will – aber wenn man das nicht sehr schlau anstellt, schafft man keines von beidem: Blood Diamond. Wenn man das Elend nicht seiner selbst Willen einsetzt sondern als dramatisches Element innerhalb der Story verwendet und es gleichzeitig schafft, die Hintergründe auf unangenehme Art zumindest teilweise auszuleuchten, kann man einen guten Film machen: Der letzte König von Schottland.

Darf man die Not der Menschen in Afrika instrumentalisieren um ’nur‘ einen spannenden Film zu machen? Man kann und man sollte. Genauso wie man Bio bei Aldi und nicht nur im Bioladen kaufen kann und sollte. Genauso wie man Ökostrom von Firmen, die zuerst mal Geld verdienen wollen, kaufen kann und sollte.

Zurück zum Thema: Der letzte König von Schottland ist kein perfekter, aber ein spannender, beeindruckender Film – was man von Blood Diamond leider überhaupt nicht behaupten kann.

Autos, Werbung und Umwelt

Anfang März waren die Großstädter Deutschlands mit einer bisher nie dagewesenen Werbekampagne konfrontiert. Knapp zwei Wochen lang zierten 200.000 Werbeplakte die Städte. Sie zeigten den Toyota Auris im Wüsten(studio)sand. (SZ)

Einigen gefiel die Werbung, anderen emfanden sie als äußerst nervend. Ich war sehr begeistert! Warum? Weil es aus der Marketingperspektive faszinierend ist, dass alle Werbeflächen fast ausschließlich EIN Produkt zeigen (Kosten: ca. 20 Mio Euro). Da stellt sich die Frage, ob sich das rechnet?!? (Sucht noch jemand ein Diplomarbeitsthema?)

Mein Interesse hielt immerhin so lange, dass ich in einer entspannten Minute zu einer Autobild griff und mir den aktuellen Test (Auris vs. VW Golf) zu gemüte führte. Mein Blick fiel u.a. auf die Wertung in der Rubrik „Verbrauch/Umwelt“, in der beide Autos mit 38 von maximal 40 Punkten abschnitten. Da frage ich mich, wie Autos, die 6,5 l/100km verbrauchen, dafür eine 95%ige Bewertung erhalten?! Wären es 3,0 Liter, okay, aber nicht bei 6,5! Desweiteren lässt sich diskutieren, warum der Punkt „Verbrauch/Umwelt“ nur mit 6,7% (40 von 600) in die Gesamtwertung eingeht. Gänzlich unerwähnt bleiben der CO2-Ausstoß und die anderen Abgase. Wahrscheinlich fängt schon hier die vielbeschriebene Lobby-Arbeit der Automobilindustrie an.

Nachtrag: Es geht auch anders: So veröffentlicht der VCD seit 2003 jährlich die Auto-Umwelt-Liste. Hier werden anhand verschiedener Kriterien (CO2-Ausstoß, sonstige Schadstoffemission, Lärm) die umweltverträglichsten Autos gekürt.

– So oder so ähnlich

Ihr Zeichen: IXXXXXXXX

Guten Tag,

nach nun fast fünf Monaten habe ich von Ihnen immer noch keine Nachricht bezüglich eines Einschreibens, das ich am 25. 10. 2006, Einlieferungsnummer RXXXXXX, aufgegeben habe. Wann genau werden Sie – voraussichtlich – herausgefunden haben, was genau mit diesem Brief geschehen ist?

Im Übrigen wäre es schön, nach einem Nachforschungsauftrag gelegentlich eine Rückmeldung zu erhalten ohne extra erneut nachfragen zu müssen.

– Gruß, k

Sehr geehrter Herr k,

bitte entschuldigen Sie die Verzögerung unsererseits. Wir machen das nie wieder. Wir können nach wie vor nicht mit absoluter Sicherheit sagen, wo Ihr Einschreiben verblieben ist. Allerdings hat unser US-amerikanisches Partnerunternehmen in der fraglichen Zeit etwa eine Tonne Briefe mit Hilfe von Sprengstoff vernichtet, da es einen anonymen Hinweis darauf gab, dass einer der Briefe eine verschlüsselte Botschaft enthalte, und es den amerikanischen Kollegen nicht möglich war, alle Briefe einzeln zu öffnen und zu lesen. Wir nehmen an, dass ihr Einschreiben darunter war und schieben alle Verantwortung nach Amerika.

Mit freundlichen Grüßen
Die gute DEUTSCHE Post

PS: Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Geheimbotschaft in einem Telegramm von Frankreich nach Neuseeland übermittelt wurde. Vielleicht tröstet es sie, dass sie vor 2 Wochen entschlüsselt wurde. Es ging um Hobbits.